Soziologie der Unternehmerfamilie

Heiko Kleve/ Tobias Köllner (Hrsg.), Soziologie der Unternehmerfamilie. Grundlagen, Entwicklungslinien, Perspektiven, Springer VS: Wiesbaden 2019, 300 Seiten, ISBN 978-3-658-22387-8


Bis vor ca. 20 Jahren war es kaum bekannt, dass es Familienunternehmen gibt und es war auch nicht opportun, sich als solches zu bezeichnen. Erst verschiedene Wirtschaftskrisen wie die New Economy-Bubble um das Jahr 2000 und die Bankenkrise um das Jahr 2008 machten klar, dass es genau diese Unternehmensform ist, die sich in schwierigen Zeiten als besonders robust beweist. So kam das Familienunternehmen ins Bewusstsein und damit wurde es nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Forschung wahrgenommen. Seither wird deshalb das Phänomen Familienunternehmen in den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen erforscht. Doch erst seit Kurzem dringt in unser Bewusstsein der Gedanke, dass der maßgebliche Unterschied zwischen Familienunternehmen und allen anderen Unternehmensformen die Unternehmerfamilie ist.

Das Verdienst der Herausgeber Heiko Kleve und Tobias Köllner ist es, mit diesem Sammelband Soziologie der Unternehmerfamilie nun endlich das derzeitige Wissen zum Thema Unternehmerfamilie zusammengefasst und damit ein grundlegendes Werk vorgelegt zu haben.

Die Beiträge sind sehr unterschiedlich, aber allesamt lesenswert. Sind Aufsätze wie der von Isabell Stamm et al. (Seite 115 ff.) eher für die Forschung von Relevanz oder der von Heiko Kleve et al. (Seite 249 ff.) für die Theoriebildung, so ist der Aufsatz von Rudolf Wimmer/ Fitz B. Simon (S. 145 ff.) für die Praxis von hoher Bedeutung; insbesondere das Kapitel ‚Wortloses Verstehen – eine notwendige Fiktion?‘ (Seite 162-166) sei allen Unternehmerfamilien ins Stammbuch geschrieben. Schön ist es auch, dass einige Beiträge (z.B. Daniela Jäkel-Wurzer, Seite 187 ff.; Gabriela Leiß, Seite 169 ff.) nicht bei der Betrachtung der Unternehmerfamilie selbst stehen bleiben. Denn wie das Familienunternehmen unmittelbar von der Unternehmerfamilie geprägt wird, so wird diese wiederum stark vom gesellschaftlichen Umfeld beeinflusst. Damit schlagen gesellschaftliche Veränderungen über die Unternehmerfamilie letztendlich wieder auf die Familienunternehmen durch.

Die ‚Soziologie der Unternehmerfamilie‘ sei allen ans Herz gelegt, die verstehen wollen, welche Faktoren mittelbar oder unmittelbar auf die (Familien-)Unternehmen wirken und damit unsere Wirtschaft beeinflussen. Möge die sich wandelnde Unternehmerfamilie noch lange der Garant für eine stabile Wirtschaft und damit Gesellschaft sein. 

Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert