Kommunikation in Unternehmerfamilien

Kommunikation in Unternehmerfamilien


Ohne hier näher auf Kommunikationstheorien und andere wichtige und richtige wissenschaftliche Erkenntnisse über die verschiedenen Aspekte der menschlichen Kommunikation einzugehen, stehen im Folgenden ausschließlich typische und oft irritierende Kommunikationsmuster in Unternehmerfamilien im Mittelpunkt. Es wird also der Frage nachgegangen: Warum entstehen in Unternehmerfamilien immer wieder Schwierigkeiten in und bei der Kommunikation und in der Folge davon nicht selten Verletzungen, die eine Grundlage für (eskalierte) Konflikte bilden können?


Die meisten Irritationen und Missverständnisse entstehen in Unternehmerfamilien, da die Protagonisten mehrere Rollen gleichzeitig innehaben. Sie sind: Familienmitglied, Unternehmensmanger und Eigentümer. Diese unterschiedlichen Rollen sind einerseits kaum klar voneinander zu scheiden, weil sie untrennbar mit den Personen verbunden sind und werden zum anderen meist weder von einem selbst noch von dem kommunizierenden Gegenüber klar und getrennt voneinander wahrgenommen. Da aber die unterschiedlichen Rollen unterschiedliches Verhalten und unterschiedliche Kommunikation bedingen und verlangen, verfangen sich Mitglieder von Unternehmerfamilien immer wieder in dem Rollenmix. Befinden sich die Protagonisten nämlich auf unterschiedlichen Rollenebenen und erkennen dies nicht, dann kommt es unweigerlich zu Missverständnissen, denn die Kommunikationsangebote treffen sich nicht. Sie laufen gegenseitig ins Leere. Irritationen und Verstimmungen sind nicht selten die Folge.


Bei solchen Missverständnissen geht es nicht darum, dass einer der beiden Protagonisten bezüglich Ansichten und Verhalten falsch bzw. richtig agieren würde, sondern dass beide innerhalb ihrer gerade eingenommenen Rolle absolut richtig handeln und kommunizieren (→ Paradoxien und Dilemmata). Nur leider auf unterschiedlichem Terrain.


Kommunikation über Kommunikation:
Ein Ausweg aus diesem Netz aus Fallstricken stellt das Markieren der fehlgelaufenen Kommunikation dar („Ich bin jetzt ziemlich irritiert. Ich glaube, wir reden irgendwie aneinander vorbei“). Wichtig ist dabei, sich die eigene gerade eingenommene Rolle bewusst zu machen, und die Rolle des anderen zu erkennen. Denn wenn beide unterschiedlichen Rollen benannt sind, eröffnet sich die Möglichkeit, sich entweder auf die Rolle des anderen einzulassen und auf entsprechende Weise mit ihm zu kommunizieren oder es wird dem anderen dadurch möglich, der eigenen Rolle angemessen zu reagieren.


Weiterführende Literatur:

Watzlawick, Paul et al., Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien, Verlag: hogrefe, Göttingen 122017, ISBN 978-3-456857459
Burkart, Roland/ Hömberg, Walter (Hrsg.), Kommunikationstheorien. Ein Textbuch zur Einführung, Verlag: NAP, Washington 82015, ISBN 978-3-700319436
Schlippe, Arist von/ Kellermanns, Franz W., Emotionale Konflikte in Familienunternehmen, in: ZfKE 56/1-2 (2008), S. 40-58

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