Gesellschafterstrukturen

Gesellschafterstrukturen


Eigentümerkreise von Familienunternehmen können sehr unterschiedlich organisiert sein. Im Allgemeinen gibt es folgende Grundstrukturen:

– Einzelgesellschafterstruktur
– Kernfamilienstruktur
– Stämmestruktur
– Polisstruktur

Insbesondere dann, wenn es sich um ein Gründerunternehmen handelt, kann ein Unternehmen zu 100% einer einzigen Person gehören. Aber auch aufgrund entsprechender Vererbungsregelungen (→ Erbfolgeregelungen), kann es sein, dass ein Unternehmen immer nur an einen Nachkömmling übertragen wird, der dann wieder 100%iger Eigentümer ist. Ob und in welcher Höhe die weichenden Geschwister von dem Alleinerben Abfindungen erhalten (bzw. ob er ihnen ihre Anteile ‚abkauft‘), ist dabei irrelevant. Bei solchen Mustern ist es Sinn und Zweck, dass die Einzelgesellschafterstruktur in jeder Generation erhalten bleibt.

Von einer Kernfamilienstruktur kann gesprochen werden, wenn sich das Unternehmen im Eigentum einer Kleinfamilie, die aus Eltern und Kindern besteht, befindet. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn ein Unternehmer(-Ehepaar) einen Teil der Unternehmensanteile an seine Kinder abgegeben hat, selbst aber noch Anteile behält. Weitere Verwandte besitzen aber keine Anteile.

Stämmestrukturen bilden sich in der Regel ab der dritten Generation insbesondere dann, wenn die Erblasser der zweiten Generation ihre Anteile an ihre Kinder vererben und (aufgrund von Machtverlustängsten) ihre Unternehmensanteile nicht weiter teilen wollen. Sie bündeln die Anteile ihrer Kinder dann, um ein machtvolles Stimmrecht zu gewährleisten – häufig unter der Auflage an die Folgegenerationen, die Anteile auch in Zukunft nicht weiter aufzuteilen.
Stämmestrukturen können auch entstehen, wenn von Anfang an zwei (sei es verwandte oder sich fremde) Gründerfamilien vorhanden sind, und diese beiden Familien ihre Anteile formal oder auch informell bündeln bzw. als Subeinheiten verstehen.

Polisstrukturen sind in der Regel nur in großen und alten Eigentümerfamilien anzutreffen. Hier wurden aufgrund entsprechender Vererbung die Eigentumsanteile am Unternehmen im Laufe der Generationen in immer kleinere und je nach Kinderreichtum unterschiedlich große Anteile aufgeteilt. Die Stimmrechte bemessen sich in solchen Strukturen meist nach der Menge des Anteilbesitzes. Entscheidungen fallen damit quasi demokratisch.

Besondere Hinweise:
Manche Gesellschafterstrukturen scheinen konfliktträchtiger zu sein als andere, was sich wiederum negativ auf die Entwicklung des Unternehmens auswirken kann.


Weiterführende Erläuterungen:

Zukunftsicherung
Neustart

Weiterführende Literatur:

Calabrò, Andrea/ Torchia, Mariateresa/ Pukall, Thilo/ Mussolin, Donata, The influence of ownership structure and board strategic involvement on international sales. The moderating effect of family involvement, in: International Business Review 22-3/2013, S. 509-523



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