Erziehung in Unternehmerfamilien

Erziehung in Unternehmerfamilien


Viele Unternehmereltern wünschen sich, ihre Kinder mögen ‚ganz normal‘ aufwachsen. Deshalb lebt die Familie bescheiden bzw. mit einem Lebensstil, der sie kaum von anderen Familien im Umfeld unterscheidet. Und die Eltern sprechen vor dem Nachwuchs wenig bis gar nicht über das Unternehmen(serbe), schicken die Kinder in die Sprengelschule etc. So versuchen sie, den Kindern eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen, damit sie frei von Zwängen aufwachsen und ihr Potenzial entwickeln können.

Neben der eigenen Ursprungsfamilie gibt es aber auch noch ein Umfeld: die Großfamilie, die Freunde und Mitschüler, die Lehrer, die Firmenmitarbeiter, die Nachbarn. Auch diese nehmen Einfluss auf die Unternehmerkinder. Ob die Eltern dies nun wollen oder nicht, das Umfeld ‚erzieht mit‘.

Erziehung in Unternehmerfamilien


Unternehmerkinder müssen mit unterschiedlichen Projektionen zurechtkommen. Die Familie bemüht sich, ihre Kinder möglichst unauffällig aufwachsen zu lassen. Sie vermittelt ihnen deshalb, dass sie genauso und gleich wie die anderen sind. Die Umwelt aber weist denselben Kindern häufig eine Sonderrolle zu. Die Kinder stehen dazwischen und wissen oft nicht recht, was nun gilt.

Deshalb ist es für die meisten Kinder einfacher, wenn man die spezielle Rolle nicht negiert, die man nun mal als Unternehmerfamilie hat, wenn man der einzige große Arbeitgeber am Ort ist. Sie lernen dann, mit den Zuweisungen der anderen besser, pragmatisch und natürlich umzugehen.

Unternehmereltern wünschen darüber hinaus sehr häufig, dass sich ihre Kinder als junge Erwachsene frei und selbstbestimmt und ihren Talenten entsprechend für ihren Lebensweg entscheiden. Sie üben dann bewusst keinen Druck aus, um eines oder mehrere Kinder in die Unternehmensführung zu drängen. Doch allein durch das Vorhandensein der Firma und allein durch das Vorleben der Eltern und auch durch die oben beschriebene Zuweisung einer besonderen Rolle durch die Umwelt sind die Nachkommen in Bezug auf das Unternehmen nicht wirklich frei. Sie können kaum selbstbestimmte und unbeeinflusste diesbezügliche Wünsche entwickeln. Sie werden entweder den (oft unausgesprochenen) Willen der Eltern und möglicherweise auch der Mitarbeiter oder anderer Stakeholder, die Firmenleitung zu übernehmen, erfüllen und sich beugen. Oder sie werden es strikt ablehnen, irgendetwas mit dem Unternehmen zu tun haben zu wollen. Denn die negativen Erfahrungen mit der Firma überwiegen: sei es die negativen Reaktionen der Umwelt in der Kindheit oder sei es das negative Vorbild der Eltern, die sich für das Unternehmen aufrieben.
Auch hier gilt wieder, dass ein Negieren des Drucks, der auf den Unternehmerkindern lastet, keine Lösung darstellt. Besser ist es, diesen anzuerkennen und damit umzugehen. Nur so kann eine Souveränität erlangt werden, die dann tatsächlich eine selbstbestimmte Entscheidung möglich macht. Dies macht eine gute Erziehung in Unternehmerfamilien aus.


Weiterführende Literatur:

Rena Haftlmeier-Seiffert, Fred und die Firma, Verlag: Unternehmer Medien, Bonn 2012, ISBN 978-3-937960159 (Kinderbuch)

Elke Schröder, Wertetransmission von Eltern und Kindern aus Familienunternehmen, EQUA-Schriftenreihe 12/2011, Verlag: Unternehmer Medien, Bonn 2011, ISBN 978-3-937960142

EQUA online-Kolleg: NachfolgemotivationDruckversion

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