Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer


Bei einer größeren Vermögensübertragung werden (in Deutschland) Steuern beim Empfänger fällig. Findet die Übertragung unter Lebenden statt, so spricht man von Schenkung, geht Vermögen nach dem Tod auf Erben über, handelt es sich um eine Erbschaft. Schenkung und Erbschaft werden steuerlich gleich behandelt.

Lebende können ihr Vermögen relativ frei von Vorgaben verschenken. Eine Erbschaft ist von den Erblassern durch ein Testament nach eigenem Willen zu gestalten, allerdings ist vom Gesetzgeber der freien Willkür durch den sog. Pflichtteilsanspruch (→ Pflichtteilsverzicht) eine Grenze gesetzt. Gibt es kein Testament, so wird das hinterlassene Vermögen gesetzlich nach dem Gleichheitsgrundsatz (→ Gerechtigkeit) und unter Berücksichtigung des Verwandtschaftsgrads aufgeteilt.

Bei Schenkung und Erbschaft erhalten die Empfänger Freibeträge, die nicht versteuert werden müssen. Die Höhe der steuerfreien Beträge(1) ist an verschiedene Voraussetzungen geknüpft, die vor allem den Verwandtschaftsgrad und die Art des übertragenen Vermögens berücksichtigen.

Besonderer Hinweis für Unternehmerfamilien:
Ganz unabhängig von diversen anderen Vermögensgegenständen wie Barvermögen, Immobilien etc. ist bei Unternehmerfamilien oft der größte Teil des Vermögens im eigenen Familienunternehmen (= Betriebsvermögen) gebunden.

Damit diese Unternehmen bei der Eigentumsübertragung durch Schenkung oder im Erbfall nicht durch eine Steuerschuld (die im schlechtesten Falle bis zu 50% betragen würde) einer kaum verkraftbaren Belastung ausgesetzt sind und in den Ruin getrieben werden, was einer staatlichen Vernichtung von Arbeitsplätzen gleichkäme, werden in Unternehmen gebundene Vermögen unter bestimmten Voraussetzungen von einer Besteuerung derzeit gänzlich verschont.

Da der Erhalt der Arbeitsplätze das maßgebliche Ziel ist, wird die Lohnsumme als Maßstab für die Steuerbefreiung von Betriebsvermögen herangezogen: Entsprechend entfällt die Steuer komplett, wenn die Lohnsumme, die im Unternehmen vor der Übertragung gezahlt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre durchschnittlich beibehalten wird(2). Ist die Frist kürzer und fällt die Lohnsumme geringer aus, so werden teilweise Steuern fällig. Wird der Betrieb innerhalb von fünf Jahren nach Übertragung verkauft, ist allerdings die Verschonung verwirkt, bei Teilverkäufen entfällt die Steuerbefreiung anteilig.


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(1) Die Freibeträge sind beispielsweise derzeit für Ehegatten: € 500.000, für Kinder: € 400.000 und für Enkel: € 200.000.

(2) Außerdem muss bei einer kompletten Steuerverschonung das Betriebsvermögen mehr als 90% ausmachen, während das Verwaltungsvermögen maximal 10% betragen darf.


Weiterführende Literatur:

Haas, Rudi/ Heil, Michael, Erbrecht, Erbschaftssteuer, Schenkungssteuer, Verlag: Schäfer-Poeschel, 32012, ISBN 978-3-799268219

Meincke, Jens Peter, Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz: ErbStG, Verlag: C.H. Beck, 162012, ISBN 978-3-406632402

Nachfolgewiki: Erbschafts- und Schenkungssteuer


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