Notfallplanung für Unternehmerfamilien

Notfallplanung für Unternehmerfamilien

In keinem Alter setzt man sich gern mit einem eigenen Notfall auseinander und niemand liebt den Gedanken an eine mögliche plötzliche und schlimme Katastrophe oder Krankheit, von der man selbst betroffen ist, bis hin zum eigenen Tod.
Trotzdem sollte jeder und natürlich insbesondere jeder verantwortungsvolle Unternehmer/ jede verantwortungsvolle Unternehmerin eine Notfallplanung betreiben, denn tritt ein unvorhersehbares schlimmes Ereignis plötzlich ein, so ist viel/ sind viele davon betroffen, was wiederum weitere Notfälle nach sich ziehen kann.

Fallbeispiel:
Der 40-jährige Hanno Unbeschwert setzte sich als Unternehmer für sein geerbtes Maschinenbau-Unternehmen mit ganzer Kraft ein. Seine knapp 1.000 Mitarbeiter wussten, dass er die Produktion von innen heraus kannte und tatkräftig in ganz Europa Aufträge einholte und ihnen damit einen sicheren Arbeitsplatz mit gutem Verdienst garantierte. Nur selten gönnte er sich eine Auszeit. Früher war er ein leidenschaftlicher Reiter, aber aus Zeitmangel hatte er seine beiden Pferde aufgegeben. Heilig blieb ihm allerdings immer noch die jährliche Fuchsjagd. Als er das letzte Mal wieder mitritt, kannte er sein Pferd nicht besonders gut. Dieses scheute aus unerfindlichem Grund, ging durch und warf Hanno in vollem Galopp ab. Er stürzte so unglücklich, dass er trotz Helm einen doppelten Schädelbasisbruch und eine Wirbelsäulenfraktur erlitt. Danach lag er 14 Monate im Koma, bevor er starb. Er hinterließ eine Ehefrau, mit der er auf Anraten des elterlichen Anwalts bei der Heirat eine Gütertrennung vereinbart hatte, und drei unmündige Kinder, die laut seinem Testament die Alleinerben sein sollten.
Hannos Ehefrau Millie sah sich nach dem Unfall neben der Sorge um ihren Mann plötzlich zusätzlich vielen Widrigkeiten ausgesetzt. Zunächst musste sie akzeptieren, dass das Betreuungsgericht einen fremden Betreuer einsetzte, der für ihren handlungsunfähigen Mann handeln durfte, während ihr alle Hände gebunden waren. Dann stellte sie fest, dass ihr der Zugriff auf die Konten ihres Mannes verwehrt wurde, nachdem ihr eigenes Konto leer war, das bisher ihr Mann in regelmäßigen Abständen immer großzügig gefüllt hatte. Außerdem musste sie mit ansehen, wie ein Abteilungsleiter, von dem sich ihr Mann trennen wollte, weil er ihn der Untreue überführt, dies aber noch nicht öffentlich gemacht hatte, mit der Leitung der Firma betraut wurde. Nach schrecklichen 14 Monaten und dem Tod von Hanno Unbeschwert verschärfte sich die Lage noch. Solange kein Erbschein ausgestellt war, blieben alle Beteiligten handlungsunfähig. Als aber das Erbe endlich angetreten werden konnte, wurde für die unmündigen Alleinerben (die drei Kinder Hannos) ein fremder Vormund eingesetzt. Von diesem musste Millie dann ihren Pflichtteil einfordern, da ihr eigenes kleines Vermögen mittlerweile aufgezehrt war und sie vor dem Nichts stand. Da ihr Pflichtteil ( Pflichtteilsverzicht) aber ein Viertel des Vermögens von Hanno (das fast ausschließlich aus der Firma bestand) ausmachte und sofort und in bar fällig war, musste das Unternehmen – obwohl dies eigentlich niemand wollte – liquidiert werden.

 

Durch eine gute Notfallplanung können in unvorhersehbaren persönlichen Krisensituationen Verwerfungen in Familie und Unternehmen oft und zum großen Teil vermieden werden. Eine gute Notfallplanung berücksichtigt sowohl die Bedürfnisse der beteiligten Individuen, der Familie, des Unternehmens und des Vermögens. Ihre Regelungen müssen exakt aufeinander und auch mit anderen vorhanden Verträgen (z. B.  Gesellschaftsvertrag, Ehevertrag) abgestimmt sein, damit weder Lücken noch Paradoxien entstehen.

Fallbeispiel für eine Lücke bzw. eine Paradoxie:
Im Gesellschaftsvertrag der Unbeschwerts war festgelegt, dass nur und ausschließlich leibliche Nachkommen Erben der Firma werden dürfen, um damit sicherzustellen, dass die Firma in Familienhand bleibt und kein fremder Einfluss Raum greifen kann.
Entsprechend wurde durch die Gütertrennung und das Testament Hannos seine Ehefrau Millie vom Eigentum an der Firma ausgeschlossen. Hanno hatte dabei aber übersehen, dass er sich gleichzeitig erstens darum hätte kümmern müssen, dass Millie anderweitig gut abgesichert wird, um sich und die Kinder auch im Notfall fortbringen zu können; und zweitens hätte Millie einen Pflichtteilsverzicht unterzeichnen müssen, damit die gesetzliche Erbfallregelung nicht greift, der Ehegatten die Hälfte des Vermögens des Verstorbenen als Erbe (bzw. die Hälfte des gesetzlichen Erbes als Pflichtteil) zusichert. Durch diese Lücke in den Regelungen Hannos ist genau das Gegenteil eingetreten, was gewollt war: Die Firma sollte ausschließlich in Familienhand bleiben, wurde nun aber durch Millies Pflichtteilsanspruch dieser gerade aus der Hand genommen.
Hätte Hanno den Gesellschaftsvertrag nicht befolgt (was durchaus zum Teil aus Unkenntnis, zum Teil aus Ignoranz geschieht) und hätte er beispielsweise in seinem Testament zur Absicherung seiner hinterlassenen Familie mit noch kleinen Kindern Millie zur Alleinerbin eingesetzt, so wäre die paradoxe Situation entstanden, dass das Testament etwas fordert, was der Gesellschaftsvertrag verbietet und umgekehrt der Gesellschaftsvertrag etwas festlegt, was dem Willen des Testaments widerspricht.

 

Notfallpläne enthalten in der Regel:

  • (General-) Vollmachten
  • abgestimmte Testamente
  • gegebenenfalls Pflichtteilverzichte

Vollmachten:
Neben Einzelvollmachten, die man Fachleuten überträgt, sollten Generalvollmachten an Personen des vollen Vertrauens übertragen werden, da man unmöglich alle Eventualitäten im Vorhinein durch Einzelvollmachten abdecken kann. Diese Generalvollmachten sollten unbedingt unter Lebenden und über den Tod hinaus gelten, damit die Handlungsfähigkeit in persönlichen, unternehmerischen und das Vermögen betreffenden Zusammenhängen sowohl bei einer eigenen Handlungsunfähigkeit sowie in der Zeit, bis der Erbschein ausgestellt wurde, gewährleistet ist. Andersfalls würden vom Betreuungsgericht (fremde) Personen als Betreuer eingesetzt.
Diese Vollmachten sind sog. Betreuungsvollmachten bzw. Vorsorgevollmachten und gegebenenfalls Patientenverfügungen. Erstere beziehen sich auf eingesetzte Personen, letztere legen Wünsche bezüglich medizinischer Maßnahmen personen- und arztunabhängig fest.

Testamente:
Die Testamente sind mit anderen vorhandenen Verträgen abzustimmen. Sie dürfen weder Lücken noch Paradoxien entstehen lassen. Sie sollten nicht nur bereits in jungen Jahren erstellt, sondern in regelmäßigen Abständen überprüft bzw. angepasst werden, sobald sich die persönliche Situation ändert (z. B. Eheschließung, Geburt von Kindern, Scheidung etc.).

Pflichtteilsverzichte:
Das Unternehmen betreffende Pflichtteilsverzichte sollten von allen volljährigen Mitgliedern einer Unternehmerfamilie unterzeichnet werden. Sie besagen nichts darüber, ob die Unterzeichner später als Erbe eingesetzt sind. Sie sichern lediglich das Unternehmen vor Unvorhersehbarem und plötzlichem Liquiditätsabfluss. Häufig werden Pflichtteilsverzichte mit der Kompensation durch andere materielle Absicherungen kombiniert.

 

Weiterführende Literatur:

 

EQUA online-Kolleg:

 

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