Ausschüttung von Unternehmensgewinnen

Ausschüttung von Unternehmensgewinnen

Wenn Unternehmen Gewinne erwirtschaften, so werden diese in der Regel als Jahresüberschuss im Jahresabschlussbericht ausgewiesen.

Zunächst müssen die Steuern beglichen und alle gesetzlichen oder anderen vertraglich festgelegten Verpflichtungen erfüllt werden (Aktiengesellschaften sind z. B. vom Gesetzgeber verpflichtet, einen bestimmten Anteil als Rücklagen zu verwenden). Die übrigen Gewinne können unterschiedlich verwendet werden. Entweder sie verbleiben im Unternehmen (Thesaurierung), z. B. um Investitionen zu ermöglichen oder Schulden zurückzuzahlen oder um ein Polster anzusparen, damit Kapital bei später zu erwartenden höheren Ausgaben oder im Notfall zur Verfügung steht. Oder sie werden an die Anspruchsberechtigten, also an die Gesellschafter bzw. Kapitalgeber, ausbezahlt (Konsumierung).
Je nach Rechtsform wird die Auszahlung anders benannt:

  • AG: Dividende
  • GmbH: Ausschüttung
  • KG: Entnahme
Fallbeispiel:
Der Gesellschafterkreis der Spalt GmbH & Co KG besteht aus insgesamt 36 Mitgliedern. Die (Ur-Groß-) Cousins kennen sich nur noch teilweise. Sie wissen lediglich, welchem Stamm sie angehören: dem Stamm Theso, dem Stamm Schütti oder dem Stamm Lasch. Die 12 Mitglieder des Stammes Theso wollen die Spalt GmbH & Co KG dynamisch und solide halten. Sie stimmen allen sinnvollen Investitionen zu und sind für die uneingeschränkte Thesaurierung der Gewinne. Sie fordern von jedem Gesellschafter ein angemessen bescheidenes Auftreten und sich den eigenen Lebensunterhalt unabhängig von der Spalt GmbH & Co KG selbst zu verdienen.
Die 14 Vertreter des Stammes Schütti verhalten sich ganz anders: Sie sehen nicht ein, weshalb sie nicht auch von ihrem Vermögen profitieren sollen und gönnen sich gern ein gutes Leben, denn sie wissen: Man lebt nur einmal.
Die 10 Angehörigen aus dem Stamm Lasch kommen selten zu den Gesellschafterversammlungen und lassen sich meist vertreten. Sie interessiert die Spalt GmbH & Co KG wenig.
Bei fast jeder Gesellschafterversammlung wird heftig über die Ausschüttungsquote gestritten. Die einen wünschen die Reinvestition der Gewinne, während die anderen eine hohe Ausschüttung verlangen. Der Theso-Stamm ist sich mit der Fremdgeschäftsführung einig, im Jahresabschlussbericht möglichst wenige Jahresüberschüsse auszuweisen, um so einen Liquiditätsabfluss überhaupt nicht zu ermöglichen. Der Schütti-Stamm vermutet dies, weshalb die Jahresabschlussberichte (durchaus mit Androhung von anwaltlicher Hilfe) angezweifelt werden. Der Lasch-Stamm ist indifferent; seine Mitglieder verstehen beide Positionen, wollen sich aber nicht engagieren bzw. stimmen vereinzelt einmal dieser und einmal jener Position zu, so dass es Jahr für Jahr zu anderen Entscheidungen bezüglich der Höhe der Ausschüttung kommt. Dem geht jedes Mal ein langer und heftiger Streit voran, der sowohl Ressourcen bindet, als auch immer das Scheitern in sich trägt. Irgendwann wird allen bewusst, dass dies kein Dauerzustand sein kann. Die Stämme sind sich (erstmals) einig, dass man Familienmaximen erarbeiten sollte, bei denen man umfassend klärt, was das Ziel aller Eigentümer und des Unternehmens ist, um sich in Zukunft nicht jedes Jahr wieder damit auseinanderzusetzen.

 

In den meisten Fällen wird der Gewinn teilweise thesauriert und teilweise konsumiert. Der Quotient kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen.

Durch die Bewertung von Vermögensgegenständen, Schulden, Abschreibungen oder Rückstellungen etc. sind Spielräume bei der Ausweisung des Jahresüberschusses vorhanden. Ausschüttungsberechtigte können so indirekt entweder be- oder übervorteilt werden.

Damit keine Konflikte entstehen, sollten die Ziele der Eigentümer wie des Unternehmens klar definiert sein. An diesen haben sich dann sowohl die Bewertungskriterien als auch die Auszahlungs- bzw. Thesaurierungsquote zu orientieren.

Prinzipiell gilt: Eine hohe Thesaurierung dient den Enkeln, da es dem Unternehmen Möglichkeiten eröffnet, Wachstum zu finanzieren und damit auch in Zukunft noch stabile Gewinne zu erwirtschaften, während eine hohe Ausschüttungsquote den heutigen Eigentümern zugutekommt.

 

Weiterführende Literatur:

 

EQUA online-Kolleg:

 

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