Werteprägung in Unternehmerfamilien: Identität als Mitglied einer Unternehmerfamilie

Exkurs-Workshop von Frau Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert auf der Konferenz der deutschsprachigen Forschungszentren und Institute für Familienunternehmen,
Universität Siegen, 8. März 2016.

Ausgehend von der Überlegung, dass bei empirischer betriebswirtschaftlicher Forschung (sei sie nun quantitativ oder qualitativ) in der Regel (nur) der offensichtliche und vordergründige Bedeutungsgehalt der Antworten und Aussagen der Probanden berücksichtigt werden kann und darf, startete der Workshop mit einem Experiment: die teilnehmenden Familienunternehmensforscher stellten ihre eigene (und wohl in den seltensten Fällen dezidiert bekannte) Werteprägung fest.
Vor diesem Hintergrund erläuterte Rena Haftlmeier-Seiffert, dass solche (meist nicht bewussten oder gar reflektierten) Werteprägungen den Rahmen für das eigene Denken und Handeln und die Bewertung des Handelns anderer bilden. An fiktiven Beispielen zeigte sie, wie einerseits die individuelle Werteprägung den Umgang mit dem (geerbten) Familienunternehmen beeinflusst und andererseits auch unternehmerische Entscheidungen durch die Werteprägung der Gesamtunternehmerfamilie bestimmt werden. Weil die Einstellungen und Prägungen aber möglicherweise in der Familie oder der Gesellschaft nicht akzeptiert sind oder bestimmten Sachargumenten zuwiderlaufen und sozusagen nicht sein dürfen, werden diese nicht selten bewusst oder unbewusst verschleiert.
Die verdeckten Motivationen und Einstellungen werden aber in der Regel von der empirischen Forschung nicht erfasst und bleiben außen vor, obwohl sie maßgeblich sein können. Die von differenzierten Wissenschaftlern durchaus empfundene Diskrepanz zwischen gefühltem (Erfahrungs-)Wissen und erforschtem und bestätigtem Wissen wäre so zu erklären. Es sind also Methodenwege für die empirische betriebswirtschaftliche Forschung zu finden, um die unterschwelligen bzw. bewusst oder unbewusst verborgenen Einstellungen zu heben und nicht nur an der Oberfläche der Aussagen der Probanden hängen zu bleiben.

Werteprägung in Unternehmerfamilien