Mâze - Familienunternehmen und Ritterepik

Vortrag auf der Konferenz der deutschsprachigen Forschungszentren und Institute für Familienunternehmen 2015,
FIF der Zeppelin Universität Friedrichshafen,

2.- 3. März 2015

Dieser Vortrag von Frau Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert wurde auf der Konferenz mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Das Paper scheint ein abseitiges Thema zu behandeln. Und doch trifft es ins Zentrum der Forschung, denn es berührt - wenn auch aus einer völlig neuen Perspektive - die ambivalenten und paradoxen Herausforderungen, denen sich (beinahe) jedes Mitglied einer Unternehmerfamilie ausgesetzt sieht.

Mitglieder von Unternehmerfamilien tun sich oft schwer mit differierenden und nicht selten als diffus erlebten Anforderungen. Die Bedürfnisse der Familie widersprechen denen des Unternehmens und diese wiederum den individuellen. Manche Unternehmerfamilien versuchen diesem Dilemma zu entrinnen, indem sie klar Position beziehen. Sie geben dann entweder die Parole "Business First" oder "Family First" aus. Gerade die großen, alten und erfolgreichen Unternehmerfamilien scheinen aber just das Gegenteil zu praktizieren. Sie changieren zwischen den unterschiedlichen Anforderungen, balancieren die sich widersprechenden Welten/Systeme und geben maßvoll allen Bedürfnissen ihr Recht. Dies mag nach außen wie Unentschlossenheit wirken und wird daher nicht selten negativ bewertet. Gäbe es für dieses Verhalten aber einen prägnanten Begriff, würde es im wahrsten Sinne des Wortes begreiflich. Und wäre dieser dann auch noch positiv konnotiert, dann würden die Unternehmerfamilien dieses Verhalten gerne bewusst einsetzen. Zwar ist das Problem offensichtlich ein uraltes, es scheint uns nur modern und höchst kompliziert, weil wir dafür keine konkrete Begrifflichkeit (mehr) besitzen. Die mittelhochdeutsche (Ritter-) Epik kannte in diesem Zusammenhang allerdings ein wunderbares Wort: mâze, das sich zur Entlehnung bestens eignet.

 

Mâze - Familienunternehmen und Ritterepik