Wertedynamiken in Unternehmerfamilien und Familienunternehmen - eine interdisziplinäre und internationale Studie

Häufig wird in der Forschung und in der Praxis davon ausgegangen, dass Unternehmerfamilien aufgrund ihrer speziellen Werteprägung ihre Familienunternehmen auf ganz besondere Art führen. Die spezielle Werteprägung gilt als entscheidender Erfolgsfaktor (bzw. auch Misserfolgsfaktor).  Bisher ist allerdings wenig darüber bekannt, wie diese Werte entstehen und welche Wechselwirkungen es zwischen den individuellen Werten der einzelnen Mitglieder und den Familienwerten der Gesamtunternehmerfamilie und auch den Familienunternehmensleitlinien sowie den gesellschaftlich anerkannten Werten gibt.

Dieses von der EQUA-Stiftung geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt mit dem Titel Positive Psychologie, Werte und Socioemotional Wealth in Familienunternehmen & Unternehmerfamilien. Ein internationaler Vergleich im Kontext von gesellschaftlichem Wandel, Globalisierung und technologischen Herausforderungen an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Siegen besteht aus drei Teilbereichen, die von Prof. Dr. Petra Moog (Betriebswirtin, Volkswirtin, Bankkauffrau), Prof. Dr. Imanol Belausteguigoitia (Betriebswirt, Agraringenieur, Theologe), Dr. Marc Betz (Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, Hypnosetherapeut) und Julian Ruf (Doktorand Family Business) durchgeführt werden:

  • Qualitative Fallstudien in fünf Ländern auf drei Kontinenten mit jeweils mehreren Mitgliedern von je fünf Unternehmerfamilien. Ziel ist es, die Interdependenzen der individuellen Werte, der Familienwerte und der kulturspezifischen Werte zu erkennen und zu vergleichen, um so ggf. allgemeingültige Muster, Strukturen oder Abhängigkeiten auszumachen.
  • Qualitative Tiefenstudien auf Basis von fünf bis zehn anonymisierten Behandlungsprotokollen von Mitgliedern aus Unternehmerfamilien mit psychosomatischen Beschwerden. Ziel ist hier, die gegenseitige Beeinflussung und Co-Evolution von individuellen und familiären Werteprägungen tiefer zu verstehen und anschließend auf ihre Verallgemeinerungsfähigkeit und Modellhaftigkeit hin zu bewerten.
  • Single Case Studie, bei der mehrere Mitglieder einer Unternehmerfamilie um einen Probanden herum über einen längeren Zeitverlauf rückwirkend betrachtet werden, um die Interaktionen und Dynamiken besser zu verstehen und das oben entwickelte Model damit zu evaluieren.  Ziel ist eine Erkenntnis darüber, warum Krisen in Familienunternehmen und Unternehmerfamilien oft nicht lösbar scheinen und auf die Unternehmensstrategie durchschlagen.

 

Wertedynamiken in Unternehmerfamilien