Storytelling in Familienunternehmen und Unternehmerfamilien als identitätsstiftendes Element

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Geschichten Wissen und Werte vermitteln, ohne moralisierend, diktierend oder anweisend zu wirken, dass Geschichten leicht memorierbar sind und dass Geschichten immer für den Zuhörer interpretierbar bleiben, soll in diesem Forschungsprojekt untersucht werden, inwiefern sich Geschichten und narrative Elemente auch in und für Familienunternehmen nutzen lassen. Denn gerade die Geschichten über die Gründung (Gründungsmythos), über ehemalige (schrullige) Unternehmerfamilienmitglieder, über souverän oder knapp gemeisterte Herausforderungen oder gar Krisen, über lustige Erfindungen (Flops) und über loyale Mitarbeiter etc. machen Familienunternehmen unverwechselbar. Die Geschichte und die Geschichten über das Unternehmen und die Unternehmerfamilie sind nicht kopierbar und stellen daher für jedes Familienunternehmen ein Alleinstellungsmerkmal und damit möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil dar.

Das Forschungsprojekt lotet drei Aspekte aus: Es wird untersucht, inwiefern sich Geschichten eigenen, um auf eine subtile und nachhaltige Weise erstens unternehmensextern, zweitens unternehmensintern und drittens familienintern zu wirken.

  • unternehmensexterne Wirkung von Geschichten: durch Geschichten können sich Unternehmen möglicherweise nach außen sichtbarer, unverwechselbarer und attraktiver machen (für Kunden, Lieferanten, Banken, potentielle neue Mitarbeiter etc.)
  • unternehmensinterne Wirkung von Geschichten: Geschichten können möglicherweise dazu eingesetzt werden, Identität zu stiften und damit das Unternehmen nach innen zu stärken, indem den Mitarbeitern über die Geschichten die Unternehmenswerte auf leichte, angenehme gut verständliche, memorierbare Weise vermittelt werden
  • familieninterne Wirkung von Geschichten: Geschichten können dazu dienen, den Zentrifugalkräften in immer größer werdenden Eigentümerfamilien entgegenzuwirken. Sie könnten Identität stiften und als Identifikationsangebote etc. eingesetzt werden und damit den Zusammenhalt der Unternehmerfamilie stärken.

Dieses Forschungsprojekt wird an der HAWK in Hildesheim durchgeführt. In einer Vorstudie und je einer Fallstudie zum jeweiligen Wirkungsaspekt soll am praktischen Beispiel erprobt werden, wie man Geschichten in Familienunternehmen und Unternehmerfamilien zielführend einsetzen kann. Die von der EQUA-Stiftung geförderte wissenschaftliche Begleitstudie, die von Prof. Dr. Christoph Kolbeck verantwortet wird, soll die Wirkung des Einsatzes von Geschichten nachhalten, um so möglicherweise Handlungsimplikationen für andere Familienunternehmer und Unternehmerfamilien von den Single-Case-Studies ableiten zu können.

 

Storytelling in Familienunternehmen und Unternehmerfamilien