Bernhard Ludwig, Konstruktive Konfliktbearbeitung in Familienunternehmen. Institutionen und Kompetenzen, Ziel-Verlag: Augsburg 2017, ISBN 978-3-944708-44-7, 303 Seiten

Wohl fast alle Unternehmerfamilien fühlen, dass „Familie und Unternehmen eigentlich nicht zusammen passen…, dass ein erfolgreiches Zusammenwirken theoretisch wie praktisch unwahrscheinlich ist“. Deshalb sind Konflikte in Unternehmerfamilien „die Regel…, der zu erwartende Normalfall“ (Schlippe/ Groth/ Rüsen 2017, S. 72).

Damit ist augenscheinlich, dass sich der ehemaligen EQUA-Stipendiat Bernhard Ludwig mit seiner Dissertation, die hier nun als Veröffentlichung vorliegt, einem zentralen Thema in Bezug auf Familienunternehmen und Unternehmerfamilien widmete.

Zwar ist er nicht der erste, der Konfliktbewältigungsstrategien von Unternehmerfamilien untersucht, doch sein Ansatz und seine Erkenntnisse gehen weit über das Übliche hinaus. Denn in der Regel wird in der Wissenschaft, wie in der Beraterpraxis immer nur darauf ver- und nachgewiesen, dass geordnete Strukturen und formale Regelungen (Stichwort Family Governance), die auch informelle Werte und Normen explizieren, dabei helfen, Konflikte zu verhindern bzw. mit ihnen umzugehen. Ludwig zeigt theoretisch fundiert aber trotzdem an konkreten Fallbeispielen, dass Institutionen (also formale und informelle Regelungen und Vorschriften) zwar dabei helfen, Konflikte zu bewältigen, dass diese aber bei der Konfliktbewältigung nur einen Teilaspekt darstellen. Wichtig sind darüber hinaus auch die persönlichen Kompetenzen der Konfliktprotagonisten. Es ist nämlich anzunehmen, dass Institutionen und Kompetenzen komplementär wirken. Das bedeutet: Je weniger persönliche Konfliktbewältigungskompetenzen bei den Beteiligten vorhanden sind, desto mehr Institutionen sind von Nöten. Fehlen solche Institutionen, so können diese durch persönliche Kompetenzen ‚geheilt‘ werden. Sind aber starke Regelwerke und eine entsprechende Governance vorhanden, dann können diese auch persönliche diesbezügliche Defizite ausgleichen.

Diese Perspektive wertschätzt wieder die Individualität und auch die Verantwortung der Unternehmensfamilienmitglieder, ohne dabei zu vernachlässigen, dass diese in Systemen agieren, die als Organisation eine eigene Dynamik entwickeln. Sie berücksichtigt das Wechselspiel zwischen Individuum, Familie und Unternehmen. Sie nimmt die Beteiligten als Person ernst und fordert diese; sie erkennt aber trotzdem die Notwendigkeiten von Institutionen an.

Unternehmerfamilien werden sich darin sehr genau wiederfinden.

Dr. Rena Haftlmeier-Seiffert

 

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